Ich hatte genau achtzehn Euro siebenundachtzig Cent in der Tasche, einen halben Tank, der nach Verwesung roch, und eine Freundin, die vor drei Stunden mit den Worten „Ich brauche Abstand“ gegangen war. Das war der Zustand, in dem ich an diesem Samstagnachmittag an einer völlig überteuerten Tankstelle bei Osnabrück stand, den Regen im Gesicht und dieses flaue Gefühl im Magen, das nichts mit Hunger zu tun hatte. Mein Auto, ein alter Golf mit mehr Kilometern auf dem Tacho als mein letzter Urlaub, hustete beim Starten immer so bedenklich. Normalerweise fuhr ich dann einfach weiter, aber an diesem Tag war Schluss. Ich war am Ende. Nicht finanztechnisch, sondern seelisch. Diese Beziehung hatte mich ausgezehrt, wie ein schlechter Wein, der erst nach der zweiten Flasche scheiße schmeckt. Ich wollte nur noch nach Hause, mich unter die Decke rollen und vergessen, dass es sowas wie Liebe überhaupt gibt. Aber die Tankstelle hatte kein Bett, also kaufte ich mir einen extrem überteuerten Energy-Drink und setzte mich ins Auto, ohne zu wissen, wohin jetzt eigentlich.
Der Energy-Drink schmeckte nach Chemie und Verzweiflung. Ich saß da, die Hände am Lenker, schaute auf die Straße, die nass glänzte wie die Augen meiner Ex, als sie mir sagte, dass sie „sich nicht mehr wohlfühlt“. Diesen Satz hasse ich bis heute. Was soll das heißen – nicht wohlfühlen? Als ob ich ein falscher Pullover wäre, der kratzt. Ich holte mein Handy aus der Jackentasche, nur um zu sehen, ob sie vielleicht geschrieben hatte. Nichts. Stattdessen eine Nachricht von meinem Kumpel Flo, eine dieser Sprachnachrichten, die man nie hören will, weil sie immer zu lang sind. Aber ich hörte sie mir an, einfach aus purer Verzweiflung. Flo laberte irgendwas von einem „geilen Abend“ und dass ich „mal was Neues ausprobieren“ sollte. Er schickte mir einen Link, mit einem Zwinkersmiley, dieses Arschloch. Normalerweise klicke ich auf nichts, was Flo mir schickt, weil er mal sein Passwort in einer Whatsapp-Gruppe geteilt hat, aber an diesem Tag war mir alles egal.
Der Link führte zu
https://vavada.solutions/de/ , und ich erinnere mich, dass ich zuerst dachte, Flo hätte sich gehackt. Die Seite sah aber seriös aus, keine dieser blöden Popups, die gleich nach deiner Kreditkarte schreien. Ich hatte sowas noch nie gemacht. In meinem Leben war ich vielleicht einmal in einer Spielothek, und das war, weil ich bei minus zehn Grad auf einen Bus warten musste und die Tür offen stand. Also starrte ich auf diese Website, trank meinen widerlichen Energy-Drink, und irgendetwas in mir sagte: „Scheiß drauf.“ Was hatte ich schon zu verlieren? Nicht mal mehr eine Freundin. Mein Konto war so leer wie mein Gefühlsleben. Aber auf meinem Paypal, das war noch ein altes Konto von einem Nebenjob, da lagen noch fünfunddreißig Euro. Keine Ahnung, warum die da waren. Wahrscheinlich von irgendeiner Rückerstattung. Also registrierte ich mich – dauerte keine drei Minuten – und lud mir genau zwanzig Euro auf. Zehn ließ ich für den Fall, dass ich später noch tanken musste.
Ich saß also auf dem Fahrersitz eines alten Golfs, an einer Tankstelle bei Osnabrück, im Regen, und spielte zum ersten Mal in meinem Leben online an einem Automaten. Das ist so absurd, das könnte sich keiner ausdenken. Der erste Slot, den ich öffnete, hatte so ein Ägypten-Motiv, diese ganzen Hieroglyphen und goldenen Skarabäen. Ich klickte auf Start, die Walzen drehten sich. Das Geräusch war beruhigend, irgendwie. So ein rhythmisches Klackern, das mich von diesem Schmerz in der Brust ablenkte. Ich spielte die ersten Minuten einfach nur vor mich hin. Mal gewann ich ein paar Cent, mal verlor ich. Mein Kontostand auf der Seite tanzte zwischen fünfzehn und zweiundzwanzig Euro. Es war nichts Besonderes, aber es füllte diese Leere. Es gab mir etwas zu tun, während die Zeit irgendwie verging.
Und dann, nach vielleicht einer halben Stunde, passierte etwas, das ich immer noch nicht ganz glauben kann. Ich drückte auf Start, die Walzen drehten sich, und plötzlich fielen alle Symbole wie aus einem Guss. Das Spiel begann zu flackern, dieser Bonus-Modus löste sich aus, den ich vorher nie gesehen hatte. Zehn Freispiele. Dann zwanzig. Dann kamen einfach immer mehr dazu. Jedes einzelne Mal, wenn ich dachte, es wäre vorbei, erschien wieder ein neues Symbol und verlängerte den Lauf. Ich saß da, den Energy-Drink in der linken Hand, das Handy in der rechten, und mein Mund stand offen. Die Gewinnanzeige kletterte. Zwanzig Euro. Fünfzig. Einhundert. Zweihundert. Bei fünfhundert wurde mir schwindelig. Ich musste das Handy ablegen, weil meine Finger so zitterten. Als der Bonus endlich vorbei war – nach gefühlten zehn Minuten, die sich wie eine halbe Ewenschaft anfühlten – stand da eine Zahl, die ich nie in meinem Leben erwartet hätte. Dreizehnhundertachtzig Euro. Aus zwanzig. Das war mehr, als ich im letzten Monat verdient hatte.
Ich habe kurz überlegt, ob das ein Fiebertraum ist. Vielleicht hatte der Energy-Drink irgendwelche Pilze enthalten. Ich kniff mich in den Arm, ganz klassisch. Tat weh. Also war es echt. Ich starrte auf das Display des Handys, dann auf den Regen auf meiner Windschutzscheibe, dann wieder auf die Zahl. Mein erster Gedanke war nicht: „Geil, jetzt bin ich reich.“ Mein erster Gedanke war: „Flo wird das nie glauben.“ Mein zweiter Gedanke war: „Wenn ich jetzt nicht aufhöre, bin ich der größte Idiot der Welt.“ Also drückte ich auf Stop, sofort, ohne eine Sekunde zu zögern. Ich hatte genug Horrorgeschichten gehört von Leuten, die alles verzockt haben, weil sie gierig wurden. Ich wollte nicht dieser Typ sein. Also ging ich zurück auf
https://vavada.solutions/de/ , suchte den Bereich für Auszahlungen, und beantragte die komplette Summe. Bis auf zwanzig Euro. Die ließ ich aus einem komischen Grund der Ehre halber da.
Eine Stunde später saß ich immer noch im Auto. Der Regen hatte aufgehört, die Sonne kam durch die Wolken, so ein typischer norddeutscher Wetterwechsel, der einen immer wieder überrascht. Ich startete den Motor, und der alte Golf hustete, wie immer. Aber dieses Mal war es mir egal. Ich fuhr nach Hause, legte mich aufs Sofa, und schaute an die Decke. Zwei Tage später war das Geld auf meinem Konto. Dreizehnhundertachtzig Euro. Pünktlich. Der Betrag, den ich beantragt hatte. Keine Diskussion, keine Nachfragen, einfach eine Buchung, die aussah wie ein Geschenk des Himmels. Ich saß vor meinem Laptop, starrte auf die Zahl, und etwas in mir löste sich. Dieser Kloß in der Brust, den ich seit der Trennung mit mir rumgeschleppt hatte – er wurde kleiner. Nicht wegen des Geldes. Sondern weil ich plötzlich das Gefühl hatte, dass das Leben nicht nur aus Absagen und verflossenen Lieben besteht. Dass es da draußen irgendwo eine Instanz gibt, die einfach mal sagt: „Heute du.“
Ich habe mir von dem Geld keine große Reise gekauft, kein neues Auto, keine Luxusuhren. Ich habe die Rechnungen bezahlt, die noch offen waren. Die vom Zahnarzt, die von der Autowerkstatt, die kleine Schuld bei meiner Schwester, von der ich nie dachte, dass ich sie je zurückzahlen könnte. Und dann habe ich mir eine neue Jacke gekauft. Keine teure, aber eine, die nicht nach drei Jahren aussah wie ein Putzlappen. Und das Beste: Ich habe Flo zum Essen eingeladen. In ein richtiges Restaurant, nicht diese Dönerbude um die Ecke. Er hat die ganze Zeit gegrinst wie ein Honigkuchenpferd und gesagt: „Ich wusste es. Ich wusste, dass der Link dir Glück bringt.“ Ich habe ihm nicht widersprochen.
Ein paar Wochen später, als ich wieder klarer im Kopf war, habe ich mich intensiver mit der ganzen Sache beschäftigt. Nicht weil ich süchtig geworden wäre, sondern weil ich verstehen wollte, wie so etwas passieren kann. Ich habe die Regeln gelesen, die Bonusbedingungen studiert, dieses ganze Kleingedruckte, das sonst keiner liest. Dabei bin ich wieder auf
https://vavada.solutions/de/ gelandet und habe festgestellt, dass die Plattform gar nicht so anders ist als viele andere – aber dieses eine Mal, dieser eine Klick, diese eine Tankstelle in Osnabrück, das war einfach mein Moment. Statistiken interessieren mich nicht mehr. Wahrscheinlichkeiten sind mir egal. Ich weiß, dass es Glück war, reines, dummes, unverdientes Glück. Aber warum sollte ich mich dafür schämen? Das Leben ist so oft unfair zu einem, dass man diese eine kleine Portion Glück einfach annehmen darf, ohne sich zu rechtfertigen.
Heute geht es mir gut. Richtig gut. Die Beziehung ist vergangen, wie eine schlechte Jahreszeit. Ich habe neue Leute kennengelernt, mache mehr Sport, schlafe besser. Und diese Tankstellen-Quittung, die habe ich mir aufgehoben. Sie liegt in meiner Schreibtischschublade, neben alten Briefen und einer kaputten Uhr. Sie erinnert mich daran, dass man nie weiß, wann das Leben um die Ecke biegt. Manchmal sitzt du im Regen, hast nichts als einen halben Tank und achtzehn Euro siebenundachtzig Cent. Und manchmal reicht das völlig aus. Nicht mehr und nicht weniger. Die Geschichte ist nicht spektakulär, ich bin kein Held, und ich gebe keine Tipps. Aber wenn mich jemand fragt, ob ich es bereue, an diesem Samstag in Osnabrück stehengeblieben zu sein? Nie im Leben.